Medientipps

Hier werden in regelmäßigen unregelmäßigen Abständen Medien vorgestellt, die das Team der Mediathek besonders empfehlen kann:

„Die langen Abende“ von Elizabeth Strout – Ein Lese-Tipp von Charlotte Kahl

„Die langen Abende“ heiß der neue Roman von Elizabeth Strout.

Die Menschen einer Kleinstadt an der Küste von Maine, USA stehen in seinem Mittelpunkt, und besonders Olive Knitteridge, eine ehemalige Mathelehrerin der örtlichen Schule. Die Fans von Elizabeth Strout kennen sie und das Städtchen aus früheren Romanen.

Inzwischen ist sie über 70 und seit kurzem verwitwet. Sie weiß so ziemlich alles über die Bewohner des Städtchens und hält mit ihrer Meinung über Grundsätzliches und Aktuelles nicht hinter dem Berg. Dass sie das oft schonungslos und scharfzüngig tut, macht sie bei ihren Mitmenschen nicht unbedingt beliebt. Aber immer ist ihre Menschenkenntnis und Lebenserfahrung zu erkennen und unter ihrer rauen Schale verbirgt sie sehr gut ihre Herzenswärme.

In den einzelnen Kapiteln des Romans erfährt der Leser viel über die Sorgen und Probleme verschiedener Personen und Familien. Dadurch wird der Roman zu einer Milieustudie kleinstädtischen Lebens in unserer Zeit. Immer wieder stehen Einsamkeit, Altern und die Angst vor dem Sterben im Mittelpunkt der Geschichten. Das nimmt den Leser mit und macht ihn nachdenklich. Elizabeth Strout gelingt das mit einer spannenden Erzählweise. Sie charakterisiert ihre Personen sehr klar und sie schafft es, trotz der ernsten Themen eine leichte und humorvolle Stimmung zu erzeugen.

 

„Morbus“ von Mark Roderick – Ein Tipp von Marion Leutner

 Der erste eigenständige Roman nach „Post Mortem“ von Mark Roderick.

Journalistin Mara möchte nach einer gescheiterten Ehe mit ihrem Kind von Frankfurt aufs Land ziehen. In Naunheim fünf Kilometer vor Maikammer wird ihr ein preiswertes Gutshaus angeboten. Dörfliche Idylle ist genau das, was sie jetzt braucht. Hier hofft sie zur Ruhe zu kommen, ein Heim für sich und ihre Tochter zu schaffen und einen Neuanfang zu wagen. Obwohl dieses Lebensglück in greifbare Nähe rückt, kommt von Beginn an Unruhe auf. Ein altes Skelett wird entdeckt, eine Schülerin verschwindet und ein Mord geschieht. Noch dazu sprechen die Menschen im Dorf vom Unglückshaus, wenn sie Maras herrliches Gut meinen. Und Mara hat das beängstigende Gefühl, das sie nicht allein darin wohnt, dass jemand sie beobachtet, auf sie wartet.

Der Erzählstil ist eher ruhig, wodurch die angespannte Atmosphäre richtig greift. Man kann sich gut auf diesen Thriller einlassen und sich in die Tiefe des Geschehens ziehen lassen. Idyllisches Landleben im leicht gruseligen Unglückshaus vereint sich zu einem mordsmäßigen Thriller.

 

„Dark Town“ von Thomas Mullen – eine Tipp von Julia Hegel

„Dark Town“ spielt 1948 in Atlanta, USA. Es ist die Zeit nach dem Krieg, der Prohibition, Rassentrennung, Willkür gegenüber der schwarzen Bevölkerung und Korruption. Zu viel Gewalt beherrscht die Straßen. Es ist aber auch die Zeit der ersten schwarzen Polizisten in Georgia. Mit wenig Mitteln ausgerüstet, versucht die kleine Truppe um Lucius Boggs und Tommy Smith die Straßen sicherer zu machen. Bis sie eines Nachts ein schwarzes Mädchen im Auto mit einem weißen Ex-Cop antreffen. Wenig später wird ihre Leiche unter Müllbergen gefunden. Wer war die schwarze Schönheit und was hatte sie im Auto des ehemaligen weißen Polizisten zu suchen? Für Boggs und Smith ist klar, dass sie sich der Sache annehmen müssen. Ihre Ermittlungen führen sie heimlich, nachts und in ihrer Freizeit durch. Sie führen sie zu korrupten Polizisten, durch die Bordelle und Kneipen Atlantas und in die höchsten politischen Kreise.

Ein Buch, in dem nicht nur der erste Fall von Boggs und Smith aufgeklärt werden soll, sondern man hinter die Kulissen einer Gesellschaft blicken kann, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann und einen sprachlos vor Entsetzten und so viel Unmenschlichkeit zurücklässt. Spannend bis zum Schluss!

Den zweiten Band der beiden Ermittler gibt es ebenfalls in der Mediathek.

 

„Rhino Hero Superbattle“ –  ein Brettspieltipp von Julia Hegel

Ziel des Spieles ist es einen Wolkenkratzer mit Hilfe von Wänden und Böden zu bauen, mit seiner Figur ganz oben zu stehen und sich die Himmelstürmer-Medaille zu schnappen und auch zu behaupten. Die Konkurrenz schläft nicht und versucht durch Würfelglück selbst den Wolkenkratzer zu erklettern. Ob man mit dem eigenen Helden auf die oberste Stufe kommt, entscheiden die Würfel und in diesem Spiel können die Eltern und Großeltern wirklich niemanden mit Absicht gewinnen lassen!

Rhino Hero Super Battle ist das ultimative Stapelspiel und mit jeder neuen Runde sieht der gebaute Wolkenkratzer anders aus. Umso höher es hinaus geht, umso wackeliger wird auch der gebaute Turm. Und umso höher ist auch der Spaß und die Spannung, ob er hält und welche Spielfigur zum Schluss oben steht!

 

 

„Neujahr“ – Juli Zeh – Ein Lesetipp von Charlotte Kahl

Zu Beginn des Romans lernen wir Henning kennen, die Hauptperson. Er ist auf einer anstrengenden Radtour auf der Insel Lanzarote unterwegs, auf dem Weg zu einem Berggipfel. Sein Fahrrad ist geliehen, die Ausrüstung schlecht, seine Kondition ist nicht vorhanden, genauso wenig wie Wasser und Proviant. Er macht dort Urlaub mit seiner Familie, mit seiner Frau und seinen zwei Kinder. Die Eheleute haben beide gute Jobs. Er arbeitet viel von zuhause aus und deshalb zählen Hausarbeit und Kinderbetreuung mehr zu seinen Aufgaben. Eigentlich geht es ihnen ganz gut – aber Henning fühlt sich zunehmend überfordert in seinen Rollen als Ernährer, Ehemann und Vater. Seit der Geburt der Tochter hat er Angstzustände und Panikattacken. Von seiner Frau fühlt er sich nicht verstanden. Sie drängt ihn zu Aktivitäten, und meint dass er damit seine Dämonen besser vertreiben kann. Und so macht er sich am Neujahrstag – und so sind wir beim Titel des Romans – mit dem Rad auf den Weg zum Berg. Er hat sich über seine Frau geärgert, dass sie am Silvesterabend mit einem fremden Mann geflirtet hat und sichtlich glücklich war. Er hofft, dass er durch die Anstrengung einen klaren Kopf bekommen kann. Er verausgabt sich völlig auf dieser Radtour und ohne Wasser gerät er bald in einen Ausnahmezustand. Da erinnert er sich, dass er als Kind schon einmal auf Lanzarote war und dass sich damals etwas Schreckliches zugetragen hat, das er bis jetzt verdrängt hatte. Er erinnert sich plötzlich und erkennt, dass ihn die Erlebnisse bis heute verfolgen

Juli Zeh hat ein dichtes Buch geschrieben. Es hat nur 190 Seiten und davon ist kein Wort überflüssig. Die Charaktere sind deutlich gezeichnet und sie konnte eine beklemmende Stimmung beschreiben. Der Leser ist alarmiert – und doch nicht darauf vorbereitet, was ihn noch erwartet.

Die Autorin ist  durch viele Romane wie „Unterleuten“, „Corpus Delicti“, „Nullzeit“ bekannt. Sie hat Jura studiert und begleitet das Ehrenamt einer Richterin  am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg. Sie bekam viele bedeutende Preise, so erst kürzlich den Ernst-Johann-Literaturpreis der Stadt Schifferstadt. Und sie ist seit diesem Jahr auch Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.

 

Die Wunderübung – Ein Filmtipp von Ulrike Nebel

Ein heillos zerstrittenes Ehepaar sucht einen Paar-Therapeuten in Wien auf. Die führen eine „Kampfbeziehung“, denn die beiden streiten sich ohne Pause. Sie weiß schon im Voraus, was ihr Mann sagen will, also warum ihn überhaupt zu Wort kommen lassen. Und was immer sie sagt, wird er niedermachen. Dabei habe ihre Ehe leidenschaftlich begonnen, beim Tauchen im Roten Meer. Aber dann, zu Hause mit den Kindern sei alles erloschen. Erst als der Psychologe fragt, warum sie sich nicht trennen, kommt langsam die Wahrheit zum Vorschein. Er schlägt eine sogenannte „Paradoxe Intervention“ vor… .

Eine Pointe jagt die andere und Sie werden aus dem Lachen nicht mehr herauskommen!

Der Film lief auf dem diesjährigen Filmfestival in Ludwigshafen.